Pygmalion – 01

Maria Peters, 18. MĂ€rz 2020

Ruhe liegt ĂŒber der Stadt. Die Fenster sind geöffnet, die Sonne strahlt.
Gestern am Abend sah Gunter vom Fenster aus einen Marder durch die Gasse streifen. Ohne Eile machte der das.
Die Tiere genießen die allgemeine Stille. Ob sie sich darĂŒber wundern?
Sie erobern die Straßen, den Park unter meinem Fenster.
Lautes Zwitschern und ungeniertes Herumhopsen am Boden.

Im FrĂŒhjahr 2010 waren Gunter und ich in Nordzypern unterwegs, eine der UnterkĂŒnfte war eine Ferienwohnung. Die HĂ€uschen dieser Anlage trugen allesamt Namen, ĂŒber unserer EingangstĂŒre stand „Pygmalion“. Die weiten RĂ€ume waren frisch gekalkt, die Decken aus dunklem Holz. Am Nachmittag, wenn das Sonnenlicht schrĂ€g in die RĂ€ume fiel, ergab das eine geheimnisvolle wohlige Stimmung.
Wir wĂŒnschten uns damals, hier fĂŒr einige Wochen ganz in Ruhe zu arbeiten.

Mein Wohnatelier in Wien erinnerte mich schon bei der ersten Besichtigung sofort an „unser“ zypriotisches Pygmalion. Vermutlich mietete ich mich hier auch deshalb ohne jedes Zögern ein.
Jetzt kommt die ĂŒberraschende Stille hinzu.

Die Sorgen um unser Land, die Sorge, welche wirtschaftlichen Konsequenzen dieser shut down fĂŒr uns haben wird, die Frage, wie sich die Gesellschaft dadurch womöglich verĂ€ndert  – sie sind gegenwĂ€rtig.

Doch sie Ă€ndern nichts daran, dass ich gerade die schönste FrĂŒhlingsstimmung seit je in meinen vier WĂ€nden erlebe, und dass ich nun meine Bilder inmitten der Großstadt bei fröhlichstem Vogelgezwitscher male.

Idealismus als Notkonzept



Maria Peters, 18. MĂ€rz 2020


6 Kommentare

  • Maria sagt:

    Danke Inge, danke Thomas!

    Genau darum geht es nun. Nicht die Nerven verlieren und weiterhin an „Atlantis“ basteln.
    Gunter ist ja hier bei mir in Wien, dadurch ergibt sich automatisch eine Art Urlaubsstimmung, ich arbeite normal weiter und da die Bevölkerung sich bislang toll an die Vorgaben hÀlt, kann man ja hoffen, dass wir bald wieder den Normalbetrieb starten können.
    FĂŒr fast alle von uns brechen nun auch Ängste auf, ich will sie nicht schönreden, aber ich will mich auch nicht in Panik versetzen lassen.
    Gedichtet, gemalt, musiziert … sollte immer werden.

  • thomas sagt:

    Liebe Maria,
    wenns gut geht, lernen wir auch etwas von diesem Corona-Winzling.
    Bleib gesund und schick uns ab und zu etwas Erbauliches.
    Liebe GrĂŒĂŸe
    Thomas

  • Thomas Parth sagt:

    Thomas

  • Ingeborg Erhart sagt:

    Sehr schöner und ermutigender Text, liebe Maria! Gewahr der prekĂ€ren Situation spendet er Trost und regt dazu an produktiv damit umzugehen. Wir reduzieren unsere Sozialkontakte im Sinne der Gemeinschaft und lernen dabei hoffentlich auch, dass ein sorgsamer Umgang miteinander auch die Natur miteinschließt.

  • Christiane Spatt sagt:

    ..das beste draus machen, jetzt, wo jeder Tag sich wie ein Sonntag anfĂŒhlt!
    Gut, dass ich noch letzte Woche am Meer war!

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