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Wien-Tirol-New York 01 – Fast eine Ankunft

Maria Peters, 13. Mai 2017

Eine neue Stadt,
und doch altbekannt,
neue R├Ąume,
hell, sonnig
und ger├Ąumig.
Luftig noch,
denn alles ist fort, was ich beschloss, nicht mehr zu gebrauchen.
Aber alles ist hier, was in Form von Dingen meine Person umschreibt.

Im Atelier steht eine wei├če Leinwand.
Alles ist gut.

Nur meinen Liebsten kann ich ab jetzt nicht mehr mit dem Fahrrad erreichen. Und die Hofkatze aus der M├╝llerstra├če habe ich verloren.
F├╝r immer.

 

 

Wien nimmt mich auf,
ist mir noch vertraut,
blieb mir mehr zweite Heimat, als mir bewusst war.

Alte Freunde wieder getroffen.
Angekommen.

  

Von meinem neuen Atelierfenster im zweiten Stock aus sehe ich hinab auf eine Stra├čenlaterne, die an einem Drahtseil baumelnd in der Mitte der Gasse h├Ąngt. Dort rastet eine Kr├Ąhe jeden Tag am Morgen und am sp├Ąten Nachmittag. Ich tr├Ąume davon, mich mit ihr anzufreunden.

Von diesem Fenster aus sehe ich auch in die K├╝che einer Wohnung, die ein Stockwerk tiefer im Haus gegen├╝ber liegt. Dort wohnt ein Mann, er scheint schon in Rente zu sein, denn er ist meist daheim und h├Ąlt sich vorwiegend in der mir zugewandten K├╝che auf. Er isst viel, meist tr├Ągt er nur eine Unterhose und ein Unterhemd. Er ist freundlich, sieht manchmal kurz zu mir hinauf, nicht wirklich gr├╝├čend, aber doch seine Kenntnisname bekundend. Ich empfinde das als angenehm. Denn ich mag es nicht gerne, wenn Menschen so tun, als sei ihr Gegen├╝ber nicht vorhanden. Er hat eine Katze als einzige Mitbewohnerin. Sie ist schwarz wei├č gefleckt. Sie umschmeichelt seine Beine, wenn er kocht.

Das zweite Atelierfenster und die beiden weiteren Fenster meines Schlafzimmers, beide R├Ąume sind nach Westen ausgerichtet, haben kein Gegen├╝ber. Ein Park mit Spielplatz vorm Haus sorgt daf├╝r, dass viel Licht und Sonne in meine R├Ąume f├Ąllt. Das Lachen der Kinder am Nachmittag freut mich.

Das Atelier ist hier ein Durchgangszimmer. Das Schlafzimmer ist der letzte Raum, dann durchquere ich das Atelier und betrete die K├╝che. Wenn alle T├╝ren offen sind und ich die R├Ąume durchschreite, f├╝hlt sich die Wohnung sehr gro├č an. In Strumpfsocken kann ich ├╝ber den Parkettboden rutschen wie ein Kind. Das animiert zum Tanzen, es macht mich fr├Âhlich.

Das K├╝chenfenster liegt im Osten. Im Moment kommt die Fr├╝hst├╝ckssonne um etwa halb neun. Vorm Fenster, im Hof unter mir, ist eine KFZ-Werkst├Ątte, sie ist nur ebenerdig, ich sehe also auf ihr Dach. Es ist mit Moos bewachsen, eine Art Zen-Garten also, nach Regen ist das Moos grell gr├╝n, bei Trockenheit br├Ąunlich. Fast st├╝ndlich ├Ąndert sich so meine Aussicht. Hinter dem Werkstattgeb├Ąude (man h├Ârt keinerlei Arbeitsger├Ąusche) steht eine riesige Linde. Sie rauscht im Wind. Wenn ich am Fensterbrett sitze und die Augen schlie├če, rieche ich manchmal das Meer.

Die Sonne geht hier im Osten etwa eine dreiviertel Stunde eher auf als in Tirol. Dem entsprechend wache ich auch fr├╝her auf. Oft um f├╝nf, meist um etwa sechs Uhr. Die Stadt ist noch ruhig. Die Stunden am Morgen geh├Âren mir alleine, denn mit Ausnahme von der M├╝llabfuhr und den Handwerkern ist noch niemand erreichbar. Es wird f├╝r mich als Morgenmensch nicht leicht werden, das Kulturleben der Stadt zu erkunden.

Der Koffer steht bereit.
Die Tickets nach New York liegen bei Gunter in Innsbruck.
Als m├╝sste ich noch einmal ausholen.
In einer sanften Kurve zuerst ganz weit in den Westen fliegen,
auf die Berge hinabsehen,
dann landen,
und die letzte Etappe in den Osten noch einmal zur├╝cklegen.

Um zu begreifen,
vielleicht,
dass alles gut ist.

Nichts wie erwartet,
aber alles, wie erhofft.



Maria Peters, 13. Mai 2017


2 Kommentare

  • Thomas Parth sagt:

    Liebe Maria,
    war viel unterwegs und hab Dich leider nicht mehr verabschieden k├Ânnen – wir werden das wohl nachholen. Und wenn’s ein Wiedersehen in Wien ist.
    Dein Bericht aus Wien klingt gut und macht Mut, immer wieder neu anzufangen.
    Liebe Gr├╝├če
    Thomas

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