Gotha 01 – Der Garten

Maria Peters, 04. Juli 2015

Mit der Bahn von Innsbruck über Garmisch nach München.

Eine Gruppe von jungen farbigen Männern, sie hatten Tickets, sie verhielten sich still, sprachen kein Wort. Ganz offensichtlich waren es Asylanten, die versuchten nach Deutschland zu kommen. Knapp nach der Grenze kam die Polizei und führte sie ab.
Traurige, ergebene Blicke.
Im Gesicht eines sehr jungen Mannes ein kurzes Aufflackern von Zorn.
Dann fügte auch er sich. 

Einige junge Burschen und Mädchen stiegen zu.
Setzten sich auf die leer gewordenen Plätze der Flüchtlinge.
Um mich herum fünf Mädchen so um die zwanzig. Alle trugen sehr kurze Jeans. Überall Schenkel. Die Beine gespreizt, weil die Füße auf die Koffer gestellt, war ich gezwungen in den Schritt der Mädchen zu sehen. Kontrollierte also zwangsläufig die Qualität ihrer jeweiligen morgendlichen Schamhaarrasur.
Es roch nach Turnschuhen.

In München Verspätung des Halts der Flüchtlinge wegen. Im Laufschritt schaffe ich es in der letzten Minute den Anschlusszug nach Fulda zu erreichen. Schweißgebadet. Raste eine Weile. Gönne mir im Speisewagen Penne in Tomatensauce. Hätte mir auch einen Radler vergönnt, aber der war leider schon aus. Kaffee und Kuchen.
Ich habe etwas Fieber, leichten Schnupfen.

Von Fulda dann nach Gotha, dort holte mich Waldemar ab. Im Fachwerkhaus von Waldemar und Edith, ihrem schönen wuchernden Garten, fühle ich mich geborgen. Willi, der Hund, hat mich wieder erkannt und bald akzeptiert. 



Maria Peters, 04. Juli 2015


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