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Bis an den Rand der Welt 01 – Ein richtiger Mensch

Belinda Nachfolgerin 19, 20. Juni 3255

Als aller Erinnerungen wieder abrufbar waren, war ich 14. Ich wurde vom Material von Nachfolgerin 08 wieder direkt geklont. Die Gemeinschaft wollte alle spÀteren Optimierungen noch einmal auf Null stellen, meine zwei VorgÀngerinnen Veronessa und Medrin waren zu untÀtig, hatten nur mehr wenige Emotionen, das konnte nicht der richtige Weg sein.
Aber natĂŒrlich trage ich auch deren Erinnerungen in mir, ganz lĂ€sst sich das Rad nicht zurĂŒckdrehen.
Aber doch bin ich wieder ein richtiger Mensch, ich fĂŒhle wieder so, wie Nachfolgerin 08 es tat.

Ich will die Welt spĂŒren, bin neugierig, habe Lust auf Gesellschaft.
Die Welt um mich herum ist aber anders als zu ihrer Zeit, es ist schwer geworden, mit meinen Anlagen heute zu leben.

 

Ich wuchs in einem Haus der Gemeinschaft auf, wir waren dort immer etwa 20 Heranwachsende. Mein persönlicher Betreuer sorgte dafĂŒr, dass ich die Erinnerungen meiner VorgĂ€ngerinnen richtig einzuordnen lernte. Die Mappe war immer bei mir. Ich las alle Berichte meiner VorgĂ€ngerinnen und alle gesammelten Materialien und Niederschriften von Nachfolgerin 11. Unsere Vergangenheit ist mir gelĂ€ufig, ich weiß um meine Aufgabe.

Mein Job ist es, das alte Menschliche wieder in die Gesellschaft einzuschleusen. Aber im Moment habe ich keine Lust dazu. Hier in der Stadt gibt es noch viele Viertel die voller Sapiens sind, aber sie unterscheiden sich doch von mir. Zumindest leicht optimiert sind hier alle. Ich bin nicht optimiert. Aber doch, ich bin ein Klon. Aber ich spreche nicht darĂŒber. Keiner von meinen Freunden weiß es. Die Klone sind hier nicht beliebt. Sie sind normalerweise sehr optimiert. Sind perfekt. Kalt. Aber doch, ich fĂŒhle mich in dieser Umgebung wohl. Musik und Tanz sind das Wichtigste hier. Wir feiern Partys, uns ist diese Welt egal, wir wollen Fun. Ich habe viele Freunde, wir haben gemeinsam ein Haus bezogen, leben in einer Art Kommune, jeder macht, was er will. In der NĂ€he gibt es einen Park, in dem wir uns gerne mit anderen treffen.
Wir machen Musik und vertreiben uns die Zeit.
Wir machen Kunst, das vertreibt die Zeit am besten.

FĂŒr das Überleben sorgen mĂŒssen wir ja nicht mehr, alle Ressourcen sind frei zu haben.
Das Netzwerk organisiert und produziert alles fĂŒr uns.

Manchmal ĂŒberlege ich, ob ich meinen Freunden gestehen soll, dass ich ein Klon bin. Ich bin unehrlich zu ihnen. Aber alles ist so kompliziert. Wie soll ich ihnen all das Komplizierte erklĂ€ren? Alte Sapiens, leicht oder weit optimierte Sapiens, Klone und in letzter Zeit tauchen mehr und mehr Rusalkas auf. Die Welt ist so kompliziert. Heute.

  

 



Belinda Nachfolgerin 19, 20. Juni 3255


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